Klassenkampf

Klassenkampf

Gespräch mit Jörg Lau.

In: Der Alltag, Die Sensationen des Gewöhnlichen, Berlin 1997, H. 76, S.109-127.

 

Herr Groschopp, es wird wieder offen vom Kapitalismus geredet, wo man früher peinlich darauf achtete, von Marktwirtschaft zu sprechen. Mit einer gewissen Genugtuung nennen die Verteidiger des Bestehenden nun endlich wieder die Sache beim Namen. Muß, wer vom Kapitalismus redet, aber nicht auch vom Klassenkampf sprechen?

Kapitalismus ist nach der klassischen Marxschen Lehre ein Gesellschaftssystem, das auf dem Gegensatz von Kapital und Arbeit beruht. Damit hat Marx gesetzt, daß es so etwas gebe wie Klassenkampf. Marx hat sich Zeit seines Lebens bemüht, Klassen zu bestimmen, ist damit aber nie zum Ende gekommen. Im 52. Kapitel des dritten Bandes des „Kapital“ geht es um die Klassen. Bezeichnenderweise ist das ein unvollendetes Kapitel, das auch Engels nicht komplettieren konnte.

Interessant ist, daß Marx mit großer Selbstverständlichkeit drei Klassen ausmacht, Kapitalisten, Grundeigentümer und Lohnarbeiter. Marx meint, daß diese Klassen durch die Revenueformen gebildet werden: die einen bekommen Profit, die anderen Rente, die letzten Lohn. Und worauf er zielte war, daß diese Revenueformen es offen lassen und zugleich nahelegen, daß man um ihre jeweilige Höhe streiten kann. Damit ist das Problem des Klassenkampfes in der Theorie gesetzt. Daraus aber jetzt zu folgern, daß sich da monolithische Blöcke gegenüberstehen, wäre falsch, wie die historische Entwicklung des Kapitalismus immer wieder gezeigt hat.

Weder auf der Seite der Kapitaleigner noch auf der Seite der Lohnarbeiter hat diese Struktur selbsttätig zu einer Bildung geschlossener Fronten geführt. Weder die Besitzer von Arbeit noch die Nichtbesitzer von Arbeit haben zu einer gültigen Organisationsform ihrer Interessen gefunden. (Nebenbei: Die „Arbeitnehmer“ sind eigentlich die Kapitaleigner.)

Worauf sollte sich der Einheitsverein bei den Nichtbesitzern auch gründen? Das Problem war ja allezeit, daß das Proletariat in sich immer schon so differenziert war, daß die Klassenkampftheorie mit ihrem idealischen Klassenbegriff es nie recht zu fassen bekam. Diesem idealischen Klassenbegriff kam es darauf an, ein handelndes Subjekt zu definieren. Marx hat betont, daß es der Kommunikation zwischen den betroffenen Individuen bedarf, um eine Klasse zu bilden. Erst in den letzten Jahrzehnten hat man sich wissenschaftlich bemüht, die kulturellen Elemente, die zur Gruppenbildung im Proletariat erforderliche Kommunikation, differenzierter zu beschreiben, so daß es immer schwieriger geworden ist, von „der“ Arbeiterklasse zu reden.

Vielleicht ist es noch wichtig, darauf hinzuweisen, daß der Klassenbegriff, wie er in der DDR gültig war, von Lenin stammt. Nach Lenins Begriff ist der Besitz an Produktionsmitteln das entscheidende Kriterium der Zugehörigkeit beziehungsweise Nichtzugehörigkeit zur Arbeiterklasse. Die Bolschewiki stützten sich auf diese enggefaßte Theorie der Arbeiterklasse, obwohl es in Rußland damals nur verhältnismäßig wenige solche echten Arbeiter gab. Jeder kleine Krämer fiel nach dieser Theorie schon in die Klasse der Bourgeoisie.
Mir fiel das einmal auf bei einem Leninschen Befehl, der bei Befestigungsarbeiten gegen die heranstürmenden Deutschen „die Bourgeoisie Petersburgs zu Schanzarbeiten“ abkommandierte. Damit waren nicht die sprichwörtlichen Herren mit Zylinder und Zigarre gemeint, sondern alle, die irgendwelche Produktionsmittel besaßen. Auch die DDR hatte mit dem Klassenbegriff als Unterscheidungsbegriff zu kämpfen. Man wollte immer genau festlegen, wer zur Arbeiterklasse und wer zur Bauernschaft gehörte. Das war für die DDR noch dann wichtig, wenn es um die Zulassung zum Studium ging.
 

Da gab es klassenmäßige Quoten?

Es gab neun Kategorien, und es war besonders wichtig, daß die Kategorien Eins und Acht über fünfzig Prozent ergeben mußten. In Acht waren wirkliche Arbeiter, ich etwa gehörte als Arbeiterkind in diese Kategorie. Die Einser wurden auch zur Arbeiterklasse gerechnet, das waren die Kinder von Funktionären. So war der Klassenbegriff eine sozialtechnische Unterteilungskategorie, während es lange nur ganz wenige kultursoziologische Studien über die Alltagswirklichkeit des Proletariats gab.

Schon Mitteilungen wie die von Lothar Kühne, Philosoph in der Sektion Marxismus / Leninismus, führten da an der Humboldt-Universität zu erregten Debatten. Kühne sagte erstens, in der DDR wollen alle zur Arbeiterklasse gehören, aber keiner will die dazugehörige Arbeit machen. Zweitens sagte er, die Arbeiterklasse geht keine sexuellen Beziehungen ein. Das verstreute er so in seinen Vorlesungen.
 

Was meinte er damit?

Na ja, die Klasse ist doch eine theoretische Konstruktion, die als solche nicht Beziehungen eingehen kann. Sie ist kein Subjekt, das liebt. Das waren so Verfremdungen des offiziellen Klassenbegriffs, die verblüfften. Als wir dann als Kulturwissenschaftler anfingen, die Kulturgeschichte des Proletariats zu erforschen, waren wir einerseits gut dran, denn wir konnten uns auf seine führende Rolle berufen, andererseits hatte man auf uns ein wachsames Auge, weil wir ja vielleicht herausbekommen konnten, wie die Arbeiter wirklich lebten und wie differenziert das Proletariat tatsächlich war im Heiratsverhalten, im Organisationsverhalten, in seinen religiösen Ansichten.
 

Gab es in der DDR Klassenkampf?

Ja, aber die Antwort bedarf einer Fußnote. Das Plazet setzt voraus, daß ich Klassen als sozial strukturierte Interessengemeinschaften definiere. Die sozialistische Gesellschaft war nun aber angetreten als eine, die die Klassen aufhebt. Ich erinnere mich noch, als Ulbricht von Honecker abgelöst wurde, und der dann von der Arbeiterklasse sprach und von der Klassengesellschaft, von der die DDR noch Rudimente aufweise. Das hat eine lange Debatte ausgelöst.

Man ging nie so weit zu sagen, daß es Klassengegensätze in der DDR gebe, aber Ulbrichts harmonisches Bild von der Übereinstimmung in der Gesellschaft war damit erledigt. Diese Konflikte sind durch die Strukturen der DDR in einer seltsamen Form zutage getreten, vielleicht auch deshalb, weil durch mehr Geld ja niemand dazu zu bewegen war, mehr zu arbeiten. Da konnte es dann vorkommen, daß Werksdirektoren, wenn es etwa galt, einen wichtigen Exportauftrag noch schnell zu erfüllen, soundsoviel Kilo Eberswalder Wurst fordern konnten. In diesem Tauschgeschäft vertrat der Fabrik- oder Kombinatsdirektor also die Interessen seiner Arbeiterschaft gegen höhere Instanzen.

Der „Klassenkampf“ mußte dann oft durch viele hundert Sitzungsstunden durchgefochten werden, bis die Leute zu ihrer Wurst kamen. Die Interessen versteckten sich hinter Losungen und Interpretationen von Beschlüssen und Lenins Werken.

Diese alten Konstellationen „bremsen“ im Osten die Erkenntnis neuer Beziehungen, von mir aus die Ausbildung eines elementaren „Klassengefühls“. Die Figur vom letztlich gutwilligen Chef als einem Teil der Mannschaft, fast einem von uns, der an den Gewerkschaftsversammlungen teilnimmt, wirkt fort, doch wird man den neuen Boß wohl kaum wie den früheren Direktor vom Werkzeugmaschinenwerk „7. Oktober“ als Nachbarn im Kleingarten finden und haben wollen.
 

Ich stelle mir als Außenbeobachter vor, daß der Begriff des Klassenkampfes für die DDR einige Tücken hatte: Er spielt in der Ideologie der DDR-Gesellschaft eine große Rolle. Die Welt außerhalb der DDR wird mittels dieses Begriffs erklärt. Wie kann man dann aber verhindern, daß der nämliche Begriff auf die Konflikte im Innern der eigenen Gesellschaft angewandt wird?

Dieses Problem wurde durch ein Bild vom Fortschritt gelöst. Es gibt eine historische Mission der Arbeiterklasse. Durch ärgerliche historische Zufälle ist keine Weltrevolution daraus geworden. Wir gehen aber der Welt voran. Wir sind entsprechend der historischen Mission mit der Aufgabe konfrontiert, die Klassen in unserer Gesellschaft aufzuheben, gleichzeitig jedoch fällt uns die Rolle zu, mangels Weltrevolution die Arbeiterinteressen weltweit hochzuhalten. So hat man das nach innen dargestellt.

Nach innen gerichtet hatte diese Konstruktion eine enorme kulturelle Folge, die Günter Gaus die „Republik der kleinen Leute“ genannt hat. Man muß sehen, daß Arbeiter sich in der DDR ja auch wirklich Rechte erobert hatten, die jetzt erst wieder durch ihren Wegfall in einer Wirtschaftsordnung, die Heuern und Feuern erlaubt, schmerzlich spürbar werden.

Man sprach in der DDR auch immer vom Klassengegensatz von Sozialismus und Kapitalismus. Das war eine Leerformel, denn eigentlich geht es ja beim Klassenkampf um den Konflikt von Lohnarbeitern und Bourgeoisie oder von Bourgeoisie und Adel. Bei diesem anderen Verständnis von systemübergreifendem Klassenkampf nahm man also an, daß die Arbeiter, die im Sozialismus schon an der Macht sind, die Interessen der unterdrückten Arbeiter im anderen System gleich mit vertreten. Im Gegenzug hatten die Arbeiter im Westen den realen Sozialismus nicht madig zu machen. Das machte die DKP zu einem Klub von Claqueuren. Daß man die RAF-Leute aufgenommen hat, hängt direkt damit zusammen.

Diese Strategie hat zu eigenartigen Widersprüchen geführt. Man war einerseits dafür, den Klassenkampf in der Bundesrepublik anzufachen, zugleich gab es aber sehr enge ökonomische Beziehungen mit und gar Abhängigkeiten von dem befeindeten System. Man hat dann versucht, sich theoretisch aus der Affäre zu ziehen, indem man die sogenannte friedliche Koexistenz als eine besondere Form des Klassenkampfes darstellte.

Als dann Gorbatschow diese Theorie zerstörte, indem er klarstellte, daß es sich auch hierbei nicht um Klassenkampf handelte, entstand eine große Begründungsnot: Wer sind wir dann eigentlich noch? Mit der Abkehr von der Klassenkampftheorie brachen die Grundweisheiten weg. Die alten Kämpfer hatten deswegen schon länger Schwierigkeiten mit Honecker, so daß der sein eigenes altes Kämpfertum herausstellen mußte, um sich und seine Politik der Koexistenz zu legitimieren.
 

Die alten Kämpfer wollten eine offen kämpferische Linie?

Ja, wie auch immer die dann ausgesehen hätte. Aber Honecker ist ja andererseits auch nicht viel weiter gekommen als zu den Weisheiten, die er Ende der 20er Jahre auf der Komsomol-Schule gelernt hatte. „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“ – ich glaube, er wußte vielleicht nicht einmal, daß dies Bekenntnis zum Fortschrittsglauben ausgerechnet aus der alten Sozialdemokratie stammt.
 

Im Inneren der DDR-Gesellschaft mußte aus der Klassenkampftheorie die Forderung einer möglichst weiten Eingemeindung der Bevölkerung in die Arbeiterklasse folgen.

Ja. Und das nicht nur im Sinne einer Definition oder Umdefinition, sondern ganz praktisch, gerade unter Honnecker. Da setzten verstärkte Verstaatlichungen ehemals privater Betriebe ein. Es begann eine neue Etappe in der Proletarisierung der Landarbeiter...
 

...durch die Industrialisierung der Landwirtschaft?

Ja, aber auch durch eine bewußte Berufspolitik. Auf dem Land entstanden proletarische Berufe, die man lernen konnte. Man hat dann etwa den Melker erfunden. Der arbeitet schichtmäßig seine Stunden ab, egal ob die Kuh nun gerade gemolken werden muß oder nicht. Sie brauchen also, wo vorher ein Bauer gemolken hat, plötzlich vier Melker: einen für die Früh-, einen für die Mittag-, einen für die Nachtschicht und einen Springer für den Fall, daß einer krank wird. Und einer von denen wird noch zum Gewerkschaftsfunktionär gewählt und steht dann über dem Bauern.

Es setzte also tatsächlich, nach einem bestimmten Kulturbild der Partei, die Produktion von Arbeiteraristokratie ein. Es gab schließlich praktisch fast keine Hilfsarbeiter mehr. Man konnte jetzt etwa „Facharbeiter für nichtalkoholische Getränke“ werden und mußte dazu eine Ausbildung absolvieren – und Umschulung war, im Gegensatz zu heute, ein Schritt im sozialen Aufstieg.

Es war also nicht nur so eine These, daß alle zu Arbeitern werden und damit die Kategorie der Klasse aufheben, sondern das wurde als sozialpolitisches Programm durchgesetzt, bis in die Kunst und Literatur hinein, wo man Schriftsteller als eine Art Facharbeiter der Seele betrachtete. Daraus erklärt sich das große Erschrecken, als ausgerechnet der alte Kämpfer Stephan Hermlin erklärte, er sei ein „bürgerlicher Schriftsteller“. Man mußte dann eilig erklären, daß er das nicht ideologisch, sondern soziologisch, als Herkunftsbezeichnung gemeint hatte. Er hatte es allerdings, um die offizielle Kunstideologie zu irritieren, genau auf die Doppeldeutigkeit dieses Begriffs der Bürgerlichkeit angelegt.
 

In der DDR wurde der Klassenkampf auf ein geschichtsphilosophisches Schema von Vorhut und Nachhut hin auslegt: in unserer fortgeschrittenen Gesellschaft haben sich diese Konflikte so gut wie erledigt, während bei den Rückständigen nebenan die Entzweiung zum Prinzip gehört. Im Alltag des DDR-Bürgers muß diese Beschreibung aber doch immer wieder mit den Erfahrungen von Verteilungskämpfen um Ressourcen und Aufstiegschancen kollidiert sein?

Zunächst mal muß man sehen, daß die DDR die in den zwanziger Jahren gewachsenen Vorstellungen vom Klassenkampf in zahlreiche gesellschaftliche Institutionen, in sogenannte Massenorganisationen umgesetzt hat. Irgendwo war jeder Mitglied. Die Partei, die sich als Kampfpartei verstand, hat zudem den Begriff vom Kampf überall verbreitet: der Plan hieß Kampfprogramm, allerorts gab es Kampfgruppen und so weiter.

Daß nun aber aus den frustrierenden Erfahrungen im Alltag der DDR-Bürger das Bewußtsein hätte entstehen können, daß man sich in einem Klassenkampf befindet, dafür fehlte nach der Marxschen Lehre die wichtigste Voraussetzung – eine Kommunikation der betroffenen Individuen über ihre wirklichen Erfahrungen und nicht darüber, was ihre Erfahrungen eigentlich sein sollten.

Das hatte eine doppelte Wirkung: Das offizielle Lernprogramm stieß zwar auf Skepsis, gerade bei Arbeitern. Es verhinderte aber die Bildung von so etwas wie entwickeltes Klassenbewußtsein von Arbeitern unter sozialistischen Bedingungen. Wie sonst kann man sich als jemand, der von Chancen ausgeschlossen wird, klarmachen, daß es sich nicht bloß um dumme Zufälle oder eigenes Verschulden handelt? So hintertrieben die überall eingreifenden Institutionen, die alle personale Kommunikation sehr erfolgreich unter Aufsicht von jemanden stellten, daß gemeinsame Interessen den Leuten bewußt werden konnten. Fatalerweise blieb nur der Staat als Adressat der Klagen und Wünsche übrig – mit dem bekannten Ergebnis 1989.

Gesehen werden sollte allerdings auch, daß die Frustrierten und Unterdrückten bis 1961 massenhaft abgewandert sind. Das oppositionelle Potential, das sich später in den Kirchen sammelte, blieb in einer säkularisierten Gesellschaft marginalisiert. Es war unmöglich, die oppositionelle Kommunikation in der DDR auf Dauer zu stellen und in Institutionen zu organisieren. Wenn man es schaffte, im Westen zu publizieren, bekam man zwar Aufmerksamkeit, aber man war man im eigenen Laden isoliert und wurde schlimmstenfalls sogar politisch verfolgt.

Es ist aber auch zu fragen, was denn die Leute hätte bewegen sollen, sich zu organisieren. Es gab ja die soziale Sicherheit des vormundschaftlichen Staates. Und daß man die nicht einerseits komplett erhalten und dann noch andererseits um Reisefreiheit und endlose Konsummöglichkeiten einfach ergänzen kann, hat sich ja unterdessen gezeigt.
 

Im Westen der Republik hat es in der letzten Zeit große Demonstrationen und Protestaktionen von Stahlarbeitern und Bauarbeitern gegeben. Sind das ferne Echos eines vergangenen Klassenkampfes oder neue Klassenkämpfe? Sind das Nachhut- oder Vorhutgefechte? Oder ist diese Metaphorik von Avantgarde und Arrieregarde nur irreführend?

Die Arbeiterbewegung hat immer das Bild hochgehalten, daß die Arbeiterklasse in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen den Fortschritt vertritt. Dabei sind die wirklichen Kämpfe von den Proletariern aber als Verteidigungskämpfe geführt worden. Zunächst ging es gegen Lohnkürzung, schon im frühen neunzehnten Jahrhundert.

Daß man Lohnforderungen stellte, war eine späte Entwicklung, und man wird noch untersuchen müssen, ob die Voraussetzung dafür nicht die Existenz zweier konkurrierender Systeme war. Das eine dieser Systeme stellte sich als System der Arbeiterherrschaft dar, und da konnte die andere Seite nicht als Apparat zur Verfolgung purer Kapitalinteressen gelten wollen. Nun ist dieser überwölbende Gegensatz weg, und es gibt keine politische Kraft, die sich der Artikulation der Interessen derjenigen verschreiben könnte, die von den Strukturveränderungen betroffen sind.

Die PDS ist ein schwacher Laden, der mit seiner Vergangenheit beschäftigt ist, die SPD ist hin- und hergerissen zwischen radikaler Modernisierung und Verteidigung von Arbeiterinteressen. Bei den jüngsten Demonstrationen hat die SPD sich auf die Seite der Arbeiter gestellt. Ich vermute aber, das hat den tieferliegenden Grund, daß die SPD-Repräsentanten auch die Ministerpräsidenten der betroffenen Länder sind. Und die führen da einen Verteilungskampf, auch gegen den Osten. Auch dies ist wieder ein Verteidigungskampf. Es spielt dabei keine Vorstellung mit, wie man denn die Strukturveränderung, die unweigerlich kommen wird, bewältigen kann.

Man kann ja nicht ewig so viel Geld in die Produktion von Kohle investieren, die niemand braucht. Es käme darauf an, Strategien zu entwicklen, um den Leuten aus dieser überflüssigen Industrie hinauszuhelfen, so daß sie nicht zur Verzweiflung getrieben werden. Statt dessen wird der Konflikt hinausgeschoben in eine Zeit, in der dann vielleicht die Sozialdemokratie die Bundesregierung stellen wird. Dann wird man sich vielleicht noch gewaltig ärgern.
 

Man konnte den Eindruck bekommen, daß sich bei den Sozialdemokraten sogar eine gewisse Erleichterung breitmachte, endlich mal wieder soziale Konflikte vorzufinden, die man scheinbar schon kennt.

Ja, und kämpferische Reden zu halten, die man immer schon mal halten wollte. Ich habe den Eindruck, daß in Momenten der sozialen Ruhe alle die Existenz eines Klassenkampfes leugnen, und dann sind sie erstaunt, wenn er tatsächlich zutage tritt, weil er niemals die Form annimmt, die man erwartet.

Als „Arbeiterbewegung“ zum ersten Mal als Stichwort im Grimmschen Wörterbuch definiert wurde, verstand man darunter Arbeiterkrawall. Und das drückt eigentlich recht gut aus, worum es dabei geht. Die Verzweiflung sucht Ausdruck in der Aktion. Organisationen bemühen sich dann, etwas Ordnung in die Empörung zu bringen und die Interessen zu artikulieren. Wie werden wohl die Widerstandsaktionen der ostdeutschen Jugendlichen aussehen, wenn einmal zehn Jahrgänge in Folge ohne Arbeit geblieben sind? Das wissen wir nicht. Unwahrscheinlich, daß diese Jugendlichen dann auf die Idee kommen, sich einer Gewerkschaft anzuschließen. Sie sind auf ihre Interessen allein zurückgeworfen und werden sie wohl eher als Hooligans ausdrücken.
 

Sind unsere Skinheads kulturelle Klassenkämpfer?

Die Sozialwissenschaftler der Birminghamer Schule haben schon in den siebziger Jahren in ihren Studien über Subkulturen die Unterschiede zwischen der symbolischen Selbstinszenierung der Punks und der Skins herausgearbeitet. Es sind unter den Skins nicht bloß Arbeitslose zu finden, sondern häufig junge berufstätige Männer, die in ihrem Beruf Power machen. In ihrer Selbstdarstellung spielt es jedenfalls eine große Rolle, daß man Arbeit als Wert verinnerlicht hat und sich absetzt gegen diejenigen, die bloß faul herumsitzen mit ihren grünen Haaren.

Die Geschichte der Klassenkämpfe der zwanziger Jahre ist in der Literatur immer wieder beschrieben worden als politischer Konflikt zwischen den Parteiorganisationen der Roten und den Braunen. Wenn Sie auf die Alltagsebene hinuntergehen, sind die Verwicklungen viel komplizierter als das Schema der Parteien ahnen läßt.

Heinz Knobloch hat voriges Jahr in seinem Buch „Der arme Epstein“ nachgezeichnet, wie KPD und NSDAP an der Legende von Horst Wessel gestrickt haben. Sie finden in der Szene, in der Horst Wessel aufkam, ähnliche Protestformen wie heute unter Skinheads.

Ich beschreibe in meinem neuen Buch über die „Dissidenten“ – damit sind die Konfessionsfreien und Freidenker gemeint – wie 1906 der deutsche Fabrikant, Buddhist, Freigeist und Dichter Arthur Pfungst den Begriff des Hooligans in Deutschland einführt. Sein Beispiel für den Begriff sind Vorgänge während der russischen Revolution von 1905 – chuligan, chuliganstwo bedeutet Rowdy beziehungsweise Rowdytum. Pfungst beschreibt, wie die „Schwarzhunderter“ – nach ihrer Kleidung so benannt – damals gegen das Judentum vorgingen und Pogrome organisierten. Lenin meinte dann übrigens in seiner Auseinandersetzung mit den „Schwarzhundertern“, man könne eine solche Organisation brauchen, wenn sie nur die Interessen der Arbeiter vertreten würde.

Man kann hier auch an Leute wie den jungen Mielke denken, von dem wir nie wissen werden, ob er den politischen Mord, den man ihm zur Last legt, wirklich begangen hat. Die Zeitumstände legen das allerdings nahe. Arthur Pfungst glaubte nun, das Phänomen des Hooligans sei die Folge der „Sünden der Nichtbildung“, der mangelhaften kulturellen Schulung. Er wollte durch Bildungsarbeit Verhältnisse wie in Rußland verhindern. Das ging zusammen mit der Kulturarbeit sozial orientierter Protestanten. Der Kulturbegriff der Arbeiterbewegung ist sehr stark vom Kulturprotestantismus des 19. Jahrhunderts geprägt worden. Wir zehren bei den Konzepten von Soziokultur bis heute von diesem Bildungsbegriff.
 

Klassenkampf und Fortschritt galten der Linken als natürliche Verbündete. Was wird aus dem Klassenkampf, wenn keiner mehr an den Fortschritt glaubt?

Ich weiß nicht, ob die Fortschrittsskepsis nicht bloß ein Intellektuellenproblem ist. Ich will das mal für die DDR darstellen. Es gab Zeiten, da wurde der Privatbesitz von Automobilen als „bürgerliche Rückständigkeit“ verteufelt. Natürlich kam diese Mitteilung damals von denjenigen, die schon Autos hatten und richtete sich an diejenigen, die noch keine besaßen.

So weit ich sehe, hat noch keiner eine Idee, wie man eine Milliarde Chinesen daran hindern könnte, auch Autos fahren zu wollen. Ob das unter Anleitung einer pathetischen Fortschrittsidee stattfinden wird, sei dahingestellt. Aber es ist noch niemandem gelungen, die Bedürfnisse der Leute lange zu beschneiden. Wenn die Habenichtse das schöne Leben einmal gesehen haben, lassen sie sich auf Dauer nicht davon abbringen, ihren Platz an der Sonne zu verbreitern. Außerdem realisiert sich der Mehrwert nur, wenn sich das Produkt, das ihn transportiert, auch verkauft. Ein schönes mobiles Leben ohne Autos – bitte, wem was einfällt, das dann die Millionen Betroffenen zur Autoaskese bekehrt, soll es vortragen und vorleben, nach Disneyland oder Teneriffa wandern; der Appell wird sicher nicht genügen, schon gar nicht dem, der Profit machen will.
 

Es gibt eine subkulturelle Szene, gerade hier in Berlin recht zahlreich, die von einer starken Sehnsucht nach dem Klassenkampf und seinen Parolen getrieben ist, die sogenannten Autonomen.

Das Bild vom Klassenkampf, das dort gepflegt wird, hat mit den historischen Kämpfen ziemlich wenig zu tun. Dementsprechend gibt es aus diesen Kreisen ja auch immer wieder eine Kritik des real existierenden Arbeiters als „verbürgerlichter“ Existenz. Wir kennen die Verbürgerlichungsthese schon von der 68er Bewegung, die ähnliche Probleme mit der Arbeiterschaft hatte, für die sie eintrat.

An der These ist ja durchaus etwas dran. Man muß nur ebenfalls sehen, daß auf der anderen Seite immer mehr Leute proletarisiert werden, indem sie Verhaltensweisen annehmen, die früher für Arbeiter typisch waren. – Aber vielleicht leben diese Gruppen uns das „Recht auf Faulheit“ vor, wie es einst Paul Lafargue, der freidenkerische Schwiegersohn von Karl Marx, forderte, wer weiß das so genau, wo uns doch die bezahlte Arbeit auszugehen scheint: erträgliche Armut plus gelebte kulturelle Kompetenz als Lohn für Verzicht auf Erwerbstätigkeit bis zum Tode?
 

Die heutigen sozialen Konflikte werden mittels des neuen Schlüsselbegriff „Globalisierung“ interpretiert, und zwar von beiden politischen Lagern. Die Linke sagt, die weltweit freien Märkte sind von Übel, weil sie uns bei der nationalen Umverteilung der Reichtümer einen Strich druch die Rechnung machen. Die Rechte führt die Globalisierung immer an, wenn begründet werden muß, daß wieder einmal „der Gürtel enger geschnallt werden“ soll. Ist Globalisierung ein Argument im Klassenkampf von oben? Oder erleben wir unter dem Stichwort die unverhoffte Rückkehr des Internationalismus, und zwar diesmal als kapitalistische Internationale?

Der katholische Sozialtheoretiker Hengsbach bezweifelt, daß die Globalisierung die Ursache der ökonomischen Probleme im Lande ist. Er hält den Globalisierungsdiskurs für eine bequeme Legitimation des Arbeitsplatzabbaus und der Lohnsenkungen. Ich bin kein Ökonom und kann dazu nichts aufgrund eigener Erkenntnisse sagen. Was Globalisierung und Klassenkampf angeht, sehe ich Probleme auf uns zukommen, weil nicht nur das Kapital jetzt überall hingehen kann, sondern auch die Arbeit freizügig wandert.

Es ist eine offene Frage, welchen politischen Ausdruck die Konflikte zwischen deutschen Arbeitern und importierten Billigarbeitskräften finden werden. Man kann nicht wissen, ob die Argumente für Gemeinsamkeit attraktiver sein werden als die Rede derjenigen, die auf der Baustelle sagen: die Schwarzen sollen verschwinden.
 

Zurück zu den deutschen Verhältnissen: Läßt sich der Begriff Klassenkampf auf das Schema Ost / West anwenden?

Nein, ich glaube nicht, weil die Interessen der Arbeiter im Osten und Westen zu sehr differieren. Bischofferode hat aus dem Ruhrpott nur zaghafte Solidarität empfangen und neulich war es umgekehrt.
 

Aber das ist doch gerade, worauf ich hinauswollte: der Ost/West-Konflikt ist stärker als die übergreifende Differenzierung von Oben und Unten und er hat Züge eines Klassenkampfes. Ich will mal versuchen, ihr Klassenbewußtsein herauszukitzeln: Sie haben als Arbeiterkind in der DDR studieren und eine akademische Karriere machen können, unter anderem mit Untersuchungen zur Arbeiterkultur. Dann kommt ein anderes System und läßt sie zunächst weitermachen, um sie dann aber unter zweifelhaften Begründungen aus dem Beruf zu drängen. Ich würde das als Rückschlag in meinem persönlichen Klassenkampf sehen.

Na gut, vielleicht komme ich ja noch zu dieser Einsicht. Vorerst sehe ich da verschiedene unvereinbare Bildungsgänge, die nicht vergleichbar sind und dementsprechend unvereinbare Inhalte. Das Interesse des Gesamtkapitals an meiner Entfernung aus der Universität scheint mir denn doch gering. Allerdings gab es einen politischen Willen, uns Ost-Kulturwissenschaftler abzuwickeln. Und natürlich kommt man ins Grübeln darüber. Ich kann meinen Söhnen nur raten, den intellektuellen Beruf zu meiden, denn da sind alle Stellen jetzt auf Jahre hinaus besetzt.

Aber ich verstehe schon, worauf Sie hinauswollen. Wenn man Klassen als Kulturgemeinschaften versteht, als soziale Gruppen, die ihre Interessen ausfechten und dabei kommunizieren und sich organisieren, wie ich das eingangs gemeint habe, dann könnte man ihn auch auf Ost und West in Deutschland anwenden.
 

Agiert die PDS nicht in diesem Sinne zugleich als Klassen- und Regionalpartei, als Partei, die den Ost/West-Konflikt als Klassenkonflikt kenntlich macht?

Nach der neuen parteiinternen Studie sind 67% der PDS-Mitglieder über 60. Die sind also zu einem großen Teil nach einer Jugend im Nationalsozialismus zum Sozialisten umgeschult worden. In den Schulungen haben sie das Klassenkampfvokabular aufgesogen. Was sie über die Gesellschaft wissen, wissen sie in aller Regel durch die Interpretation von Marx und Lenin in der Lesart der Parteischulen. Schon zu DDR-Zeiten war das Problem, daß die aktuelle Forschung über die Kulturgeschichte der Klassen gerade von den laut tönenden Klassenkämpfern nicht zur Kenntnis genommen wurde. Daneben gibt es in der PDS eine große Gruppe aus meiner Generation, so um die 50, die eher skeptisch und pragmatisch gestimmt sind.
 

Ich will noch einmal auf den Kulturbegriff zurückkommen. In den siebziger und achtziger Jahren war die gängige Parole in der Bundesrepublik „Kultur für alle“. Unter dem Eindruck von Etatkürzungen scheint sich das jetzt zu verändern, man kehrt vielerorts zum scheinbar Bewährten und Hergebrachten der kulturellen Hierarchien zurück. Eine Weile war es attraktiv für die kulturellen Eliten, sich darzustellen als Leute ohne Berührungsängste mit der populären Kultur? Beobachten Sie Klassenkämpfe in der Kultur?

Sicher nicht in dem Sinne der Parole von Friedrich Wolf, wonach Kultur eine Waffe im Klassenkampf ist. Dieser Satz ist übrigens nie richtig verstanden worden. Wolf wollte ja nur sagen: Liebe Kommunisten, auch die Kultur ist wesentlich. Er wollte den ungebildeten Funktionären sagen, daß sich auch in der Kunst wichtige Dinge abspielen. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Deutschen kommen nicht aus ihrer Haut heraus. Der Kulturapparat hat hier mit seiner erzieherischen und erbauenden Funktion im Fortgang der Säkularisierung zu weiten Teilen frühere Aufgaben der Kirchen übernommen. Die Kultur hat auch die Aufgabe mit übernommen, die früher die Sitzordnung im Dom hatte. Heute steht die Love Parade und Independence day gegen Bayreuth und andere „Leuchttürme“, wie es die Kulturpolitik auszudrücken beliebt, mit dem entscheidenden Unterschied, daß die Massenvergnügen von ihren Betreibern selber finanziert werden müssen.
 

Kultur wird auch wieder als Waffe im Klassenkampf von oben attraktiv, wie man an Botho Strauß beobachten kann. Er ist ja, wie man seinem neuen Buch entnehmen kann, in den Osten, in die Uckermark gezogen. Und seine größte Panik ist die, daß er nun seinen Sohn einschulen muß und damit den dortigen Einheimischen ausliefert...

... diesen verzwergten Ossis...
 

Genau. Der Dichter profiliert sich in seinem Text durch den Kontrast zu den videobesessenen Schrumpfköpfen dort auf dem Lande.

Ja, so nach dem Motto: der letzte Bildungsbürger als Kulturkritiker. Wobei ich besonders apart fand, daß in der darauf folgenden Nummer, in der wir von dem vergeblichen Versuch des Dichters lesen konnten, seinen Sohn vor dem Einfluß der durch Westgewohnheiten degenerierten Ossis zu schützen, dann ein Text über Scientologen und andere Sekten zu finden war. Darin wurde beklagt, daß diese Sekten ihre Kinder dem segensreichen Einfluß unseres Schulsystems und der Konsumwelt entziehen. Beides Versuche, Kinder vor der Kulturlosigkeit des Massenkultur zu retten, aber ganz unterschiedlich kommentiert. Das alles steht im Kontext einer Debatte, in der die subventionierte Kultur der Eliten gerechtfertigt werden muß.
 

Als Kulturwissenschaftler mit Interesse für die Populärkultur, stelle ich mir vor, müssen sie in der DDR doch eine paradoxe Situation vorgefunden haben. Ist die westliche Massenkultur, und zwar in ihren populärsten Ausprägungen wie MacDonalds oder den großen Hollywoodfilmen, nicht viel egalitärer als der Kulturbegriff der DDR es jemals sein konnte? Man blieb doch immer sehr im Schatten des „bürgerlichen Erbes“, das man antreten wollte?

Das ist für mich keine Frage. Das meinte ich auch mit der Bemerkung, daß bestimmte Verhaltensweisen in der Massenkultur so verallgemeinert worden sind, das man ihre proletarischen Ursprünge gar nicht mehr erkennt. Die wichtigen Themen der letzten Jahre sind in populären Filmen zugleich radikaler und massenwirksamer angesprochen worden als in vielen gutgemeinten soziokulturellen Angeboten. Denken Sie nur daran, wie in „Philadelphia“ Homosexualität und Aids oder in „Larry Flint“ Pressefreiheit, Liberalität und Zensur behandelt wurden.
 

Die momentan populären Rezepte gegen die Massenarbeitslosigkeit kommen ebenfalls aus Amerika: Liberalisierung der Arbeitsmärkte, Abbau des Sozialstaats, individuelle Absicherung statt staatlicher Fürsorge. Müssen wir uns auf heftigere Klassenkämpfe einstellen, wenn das auch bei uns in diese Richtung geht?

Alle Erfahrungen zeigen, daß Deklassierung in untertariflicher Arbeit und großer sozialer Unsicherheit nicht zur Solidarisierung führt. Aber ich glaube nicht, daß wir es Amerika nachmachen können. Amerika ist zwar ohne staatliche soziale Sicherungssysteme gewachsen. Aber man übersieht immer die tatsächlich funktionierenden sozialen Netze in den Vereinigten Staaten, die wir nicht imitieren können.

Wir haben keine ethnischen Gemeinschaften, wir haben keine neighbourhoods, wir haben keine spendenfreundliche Bourgeoisie. Bei uns ist soziale Sicherheit als staatliche Aufgabe erstritten worden. Wenn ich den Staat aus dieser Aufgabe entlasse, dann kann ich ihn auch abschaffen. Herzlichen Glückwunsch, kann ich da nur sagen, was die Leute sich dann werden einfallen lassen!

Das Bild ist Zitat, entnommen von: Aus der Zeit – Für die Zeit. In: Der Wahre Jacob, 1894. – Vgl. Proletariat. Kultur und Lebensweise im 19. Jahrhundert. Hrsg. von Dietrich Mühlberg. Leipzig 1986. Wien 1987, S. 252. – Leihgabe Rijksmuseum-Stichting, Amsterdam.

Der Text rechts unten lautet:
 

Mammon ist der Gott des Tages –

Doch die gold’nen Säulen beben,

Wie Jupiters Säulen fielen;

Andre Zeit bringt andres Leben.


Beuge, Volk, Dich nicht dem Götzen,

Dem sie heute Ruhm erzeigen,

Sorge, daß der Freiheit Göttin,

Möge bald den Thron besteigen.