Humanismus und Selbstverständnis des HVD

Humanismus und Selbstverständnis des HVD

 

Vortrag, gehalten am 17. November 2017 in Berlin an der „Humanistischen Akademie Berlin-Brandenburg“, ergänzt durch Fußnoten. Das Titelbild zeigt die Frontseite des Flyers des Alibri Verlages Aschaffenburg zur Reihe „Humanismusperspektiven“. Der komplette Flyer befindet sich am Ende dieses Textes.

Der „Humanistische Verband Deutschlands, Bundesverband“ (HVD) hat vor erst zwei Monaten ein „Humanistisches Selbstverständnis“ beschlossen,[1] das vierte in seiner kurzen Geschichte. Das bis dahin gültige war das von 2011, nicht, wie die HVD-Bundeshomepage sagt, das von 2001.[2] Zwischen 1993 und 2017 gab es mehrere offizielle Varianten und eine populäre Kurzfassung von Werner Schultz aus dem Jahre 1995, die auch ich lange Zeit für die gültige hielt. Ich habe sie alle im Anhang von „Pro Humanismus“ aufgelistet und auch die Hauptverfasser genannt.[3] Bei aller kollektiven Arbeit gab es immer, wie meine Funktion hieß, als ich erstmals vor genau zwanzig Jahren 1997 in die Bundesleitung gewählt wurde: „Schriftführer“.

Wozu also eine Debatte führen, wenn alles erst kürzlich beschlossen wurde? Das neue „Selbstverständnis“ ist nicht neu. Es ist faktisch die Fortschreibung der Gründungsthesen von 1993. Die beschlossene Fassung war im Wesentlichen bereits 2015 fertig.[4] Es sollte keine umfängliche Humanismus- und Strategiedebatte unter Einbeziehung erst 2016/2017 erschienener Publikationen geben, vor allem „Humanismus: Grundbegriffe“,[5] aber auch der Reihe „Humanismusperspektiven“.[6] Es wird eine solche Debatte aber stattfinden, weil sich der HVD präziser ausdrücken und aufstellen muss innerhalb der humanistischen Konzepte und gegen deren Gegner.

Ich möchte im Folgenden gar nicht auf Details der früheren oder aktuellen Fassungen eingehen,[7] sondern etwas Grundsätzliches sagen über Probleme und Voraussetzungen eines reformierten Selbstverständnisses, das den vorliegenden wissenschaftlichen Befunden über Humanismus, den Realitäten des Humanismus in der Bundesrepublik, der zukunftsfähigen humanistischen Praxis des HVD entspricht und den Anforderungen an einen modernen weltanschaulichen Humanismus gerecht wird.

Zunächst einige Sätze zu dem, was ein „Humanistisches Selbstverständnis“ ist.

Ich arbeite gerade an einem Buch, dass „Konzeptionen des Humanismus“ heißen wird.[8] Es geht in diesem Buch um den tatsächlichen, in der Regel wissenschaftlichen Gebrauch von „humanistisch“ bzw. „Humanismus“. Es beginnt mit „Abendländischer Humanismus/Humanistisches Abendland“ und hangelt sich durch das Alphabet bis „Zweiter Humanismus“. Wichtig ist, dass Und-Verbindungen – etwa „Humanismus und Abendland“ – ausgeschlossen werden, schon weil es nicht zu bewältigen wäre.

Zu dem, was bereits weitgehend fertig ist, gehört die Wortverbindung „Humanistisches Selbstverständnis“. Hier zeigt sich und ich spitze gleich einmal zu, dass nämlich der HVD sein politisch-weltanschauliches Organisationskonzept nicht in dieser Geschichte der Wortverbindung verortet. Er bietet eher Humanismus als ein Credo an, dass mit einer Wunschliste von Einrichtungen und politischen Absichtserklärungen verbindet. Was drückt aus, wer „Humanistisches Selbstverständnis“ sagt? Ich zitiere arg verkürzt:

Besonders Fortschritte in den Naturwissenschaften beförderten ein humanistisches Selbstverständnis in der Renaissance,[9] wo solche Überzeugungen aufkamen.[10] Kernbegriff war die Menschenwürde, gefolgert aus der Ablehnung der Erbsündenlehre.[11] Humanismus war ursprünglich Teil eines christlichen Reformprogramms, das auf eine theologisch undogmatische Reform von Kirche und Glauben orientierte.[12] Das wird dann in der Literatur auf diejenigen angewandt, die sich dem Humanismus widmen, etwa auf Ernst Cassierer: „Am Grunde von Cassierers Kritik ist ersichtlich kein harmonistisches Weltbild wirksam – wohl aber ein humanistisches Selbstverständnis.“[13]

Was wird in den hier angefügten Beispielen deutlich?

  1. Die Wortverbindung „Humanistisches Selbstverständnis“ bezieht sich auf Subjekte einer historischen Kulturbewegung, wobei das Selbst jeweils Individuen sind, die sich durchaus verbünden, die aber keine Organisationen bilden, schon gar keine „Weltanschauungsgemeinschaften“ wie der HVD eine ist. Es ist beim HVD eher umgekehrt: Er gibt ein Selbstverständnis vor und erwartet, dass man seinem Rufen folgt – was nicht heißt, dass dahinter keine realen, empirisch nachweisbaren Überzeugungen stehen. Aber belegt sind solche Kongruenzen nicht.[14] Es scheint vielmehr so, dass allzufertige Vorgaben mögliche Mitgliedschaften behindern, nicht zur Mitarbeit herausfordern.
  2. Der Beginn solcher humanistischen Selbstverständnisse wird mit Pico della Mirandola in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bestimmt.
  3. Man kann ein „humanistisches Selbstverständnis“ ausbilden, obwohl man religiös gebunden ist. Diese Subjekte sind in mehr als 95 Prozent der Humanismusgeschichte konfessionsfrei, allerdings in dem Sinne, dass ihnen der Mensch/die Menschheit/die humanistischen Prinzipien über der religiösen Eigenart stehen.[15] Sie sind aber nicht religionslos,[16] schon gar nicht sind sie moderne „Konfessionsfreie“, die aus den „Dissidenten“,[17] den späteren „Konfessionslosen“, hervorgegangen sind, die der HVD anspricht.[18] Was diese Gruppe mit Humanismus zu tun hat, halte ich für eine offene Frage. In seiner Praxis wendet sich der HVD an alle Menschen, auch religiöse.
  4. Ein humanistisches Selbstverständnis ist für die Subjekte, die es teilen, wenn sie es für sich errungen haben, es sich aneigneten, eine Selbstverständlichkeit, eine Kultur, ein Selbstbewusstsein, von mir aus auch eine „Glaubenstatsache“ – für alle, die es nicht oder ein anderes haben, etwa ein christliches oder muslimisches Selbstverständnis, ist dies keineswegs selbstverständlich, wobei diese Selbstverständnisse in der Moderne verschwimmen, was zur Folge hat, dass es auch Humanismus nur noch im Plural gibt.[19]
  5. Man kann dieses humanistische Selbstverständnis auch „Weltanschauung“ nennen. Weltanschauungen, werden sie von Gruppen geteilt, bilden Weltanschauungsgemeinschaften. Doch diese Gemeinschaften der Humanisten sind nicht von vornherein identisch mit den „Weltanschauungsgemeinschaften“, die nach Artikel 140 GG i. V. m. Artikel 137,7 WRV gemeint sind.

Diese fünf Anmerkungen bündelnd möchte ich feststellen, auf den Begriff des „säkularen Humanismus“ gehe ich noch ein, dass der HVD noch nicht genug aus seiner speziellen, für den Humanismus eher zufälligen freidenkerischen Organisations- und Konzeptionsgeschichte herausgetreten ist, wie sich auch in andren Fragen zeigt, der leidigen „Solange“-Debatte, der Haltung zur „Seelsorge“ oder zur „Spiritualität“, aber besonders in der Definition von Humanismus als einer nichtreligiösen bis antireligiösen Weltanschauung.

Da sind auch die Freireligiösen eliminiert, die vor den Freidenkern Humanismus innovierten.[20] Historisch gesehen wissen wir zu wenig über die Freireligiösen und warum sie in der alten Bundesrepublik ihren praktischen Humanismus gegen eine Hoffnung auf den Staat aufgaben, z.B. eigene „Lebenskunde“ gegen „Werte und Normen“ eintauschten.[21] Jedenfalls, es sei wiederholt, spricht die Praxis des HVD gegen die Einschränkung auf „nichtreligiös“.

Soweit zum „Sinn“ von „Selbstverständnis“. Den gedanklichen Übergang zum Humanismusverständnis möchte ich mit Richard Faber einleiten, der in seinem (mit Uwe Puschner herausgegebenen) Buch über Martin Luther viele gute Texte gesammelt hat, auch zur „Überwindung“ des Humanismus durch die Reformation, und sich selbst, auf Hans Alma berufend, für einen „aktiven Pluralismus“ auch im Humanismus einsetzt.

Er tritt ein

„- für einen offenen Streit um die je größere Humanität

 - für einen Humanismus, der religiös motivierte Humanisten nicht aus-, sondern einschließt oder umgekehrt dementsprechend

 - für eine Pan-Ökumene, die agnostische, ja atheistische Humanisten mitumfasst.“[22]

Den letzten Anstrich, der sich auf atheistische Humanisten bezieht, mag man in der „säkularen Szene“ für seltsam halten, gerade wenn der eigene Humanismus als Humanismus schlechthin genommen wird. Aber es ist doch keineswegs sicher, dass die Mehrzahl etwa der Humanismusforscher die atheistische Fraktion mitmachen lässt.[23]

Das Humanismus-Problem des HVD, sich historisch und konzeptionell klarer verorten zu müssen, wird vielleicht etwas deutlicher, wenn wir die Humanismus-Begriffe und ihr Umfeld nehmen, wie sie im 2016 erschienenen Buch „Humanismus: Grundbegriffe“ vorgestellt werden.[24] Das Buch fasst wissenschaftliche Befunde zu den Grundkategorien des Humanismus zusammen.

Dabei wurden bestimmte Begriffe nicht als grundlegende aufgenommen, etwa Aufklärung, Religion, Ethik, Frieden, Demokratie und weitere, obwohl es dazu humanistische Positionen gibt. Aber eben auch andere. Über die Gründe und Folgen wäre zu diskutieren. Auf einen Begriff, der trotzdem aufgenommen, aber dann gründlich gegen den Strich gebürstet wurde, Säkularisierung, gehe ich noch ein.

Es wird nicht bald ein besseres Handbuch geben, so dass mein Vorschlag wäre herauszufinden, was das jeweils für den HVD, besonders sein Selbstverständnis bedeutet, wenn „Humanismus“ in dem Werk wie folgt in acht Punkten umfassend bestimmt wird:[25]

  1. als eine kulturelle Bewegung: Kultur meint hier Ästhetiken, Lebensweisen, Mythen, Organisationen, Sprachen usw., also mehr als der Ausdruck „geistige Welt“ an Inhalten transportiert.
  2. ein Bildungsprogramm: Das meint durchaus auch Sozialisation, nicht nur Verbreitung von Wissen und ich habe in dem Lemma „Humanismusunterricht“ versucht, auch hier die Breite zu beschreiben, die das hat.[26]
  3. eine Epoche: Meist ist hier die Renaissance gemeint, doch bezieht sich dies nur auf Europa und selbst hier sind auch historisch mehrere Humanismen auszumachen von der Antike her. Es gibt eine Debatte, ob nicht auch der byzantinische Humanismus eine eigene Epoche ist oder der Späthumanismus in seinen Übergängen zur Aufklärung.
  4. eine Tradition: Meist ist hier die Pflege des „klassisches Erbes“ gemeint. Doch das wird gepflegt aus Tradition und weil wir zu wenig wissen über das Erbe insgesamt, um neue nötige Pflegegebiete aus- und aufzumachen.
  5. eine Weltanschauung: Das scheint im HVD klar zu sein, was das ist. Aber was das Weltanschauliche im und am Humanismus ist, scheint mir eine offene Frage, kein Problem einer Festlegung.
  6. eine Form von praktischer Philosophie: Von Frieder Otto Wolf stammt die in die Grundsatzpapiere des HVD eingegangene Formel vom „modernen praktischen Humanismus“. Der Begriff leitet sich aus seiner Philosophie für das 21. Jahrhundert ab, zuerst als „Radikale Philosophie“. Mir scheint der Zusammenhang von „praktischer Philosophie“, „praktischem Humanismus“ und Humanismus noch weitgehend offen zu sein.[27]
  7. eine politische Grundhaltung, welche für die Durchsetzung der Menschenrechte wirkt: Das wäre ein „politischer Humanismus“,[28] wobei mir meine Sammlung zu bestätigen scheint, was Enno Rudolph im „Handbuch“ im Lemma „Politik“ fragt, ob nicht Humanismus per se politisch ist.[29]
  8. als ein Konzept von Barmherzigkeit, das für eine humanitäre Praxis eintritt: Hier ist mir unverständlich, wie man den Begriff „Barmherzigkeit“ noch immer ablehnen kann. Wie sonst soll humanitas übersetzt werden?

Nach diesen acht Punkten ist deutlich geworden: Humanismus ist ein weites Feld und der HVD steht als Organisation, die Humanismus als Weltanschauung organisieren will, auf einem Grund und Boden, den viele beackern und bebauen.

Der Begriff des „organisierten Humanismus“ stammt übrigens von Karl Kautsky. In seiner Schrift über Thomas Morus bezieht er ihn auf die Jesuiten, die einen stramm organisierten, geistig heruntergekommenen und ins Kirchentum gepressten Humanismus verfolgen. Begriff und Programm seien Ausdruck dafür, wie der Katholizismus das humanistische Erbe zu vereinnahmen gedenke.[30]

Aktuell sind vor allem Vereine und Verbände im deutschsprachigen Spektrum des „säkularen Humanismus“ (Freidenker und ihre Nachfolgeeinrichtungen, Bürgerrechtsvereinigungen) damit gemeint.[31] Beim HVD wiederum hat man den Eindruck, wenn er vom „organisierten Humanismus“ spricht, dann meint er vor allem sich selbst damit. Das nenne ich einen überstrapazierten Anspruch.

Inzwischen beziehen sich fast alle „säkularen Verbände“ irgendwie auf Humanismus.[32] Das war in der ersten Hälfte der 1990er Jahre noch ganz anders. Da standen der HVD und die „Humanistische Union“ ziemlich allein da. Es gibt derzeit aber leider keine richtige Debatte darüber, was der Humanismusbezug jeweils bedeutet. Es fehlt auch ein geeignetes Medium dafür.

Einige in diesem Spektrum nehmen an, das mit dem Humanismus sei identisch mit der Aufklärung und das habe man schon immer vertreten. Eine große Gruppe bringt Humanismus in direkte Verbindungen mit der Evolution und der Evolutionstheorie. Dabei ist genau diese Schnittstelle zwischen den naturwissenschaftlichen und den kulturwissenschaftlichen Erklärungen der Welt die weitgehend unerforschteste. Man kann auch sagen, hier haben Spekulationen den meisten Raum. Wohl deshalb tummeln sich hier transhumanistische Ausdenkungen.

Noch problematischer wird die Beschäftigung mit Humanismus, wenn wir das Feld der Gesellschaftspolitik betreten. Ein besonders deutliches Signal dafür war die Erklärung, die die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel aus Anlass der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten abgab. Die in der DDR sozialisierte evangelische Pfarrerstochter und gläubige Christin sandte eine durch und durch humanistische Botschaft:

Deutschland und die USA seien durch gemeinsame Werte verbunden. Sie nannte Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung.

Wer die Theologiegeschichte und die Historie der beiden ehemaligen „Volkskirchen“ der letzten hundert Jahre verfolgt, kann ermessen, was es bedeutet, dass eine führende Repräsentantin Deutschlands sich so dezidiert zu den Menschenrechten bekennt.

Ohne dass der Begriff „Humanismus“ im öffentlichen Leben eine große Rolle spielt, hat er sich – vor allem im Verständnis von „Humanität“ – kulturell etabliert und „wirkt“. Gerade deshalb ist zu bedauern, dass sich die „säkulare Szene“ zunehmend verrennt in Interessenvertretungsphantasien, die soziologisch unbekannte Gruppe der Konfessionsfreien betreffend, und in unaufhörlicher Kirchenkritik, die noch immer als Kennzeichen dient.

Diese Abschottung ist selbstgemacht und zum großen Teil ein Relikt der alten, stereotypen Forderung, endlich die vollständige Staat-Kirche-Trennung zu vollziehen, in der Hoffnung, dass dann alles besser wird.

Letztlich geht es bei „säkular“ immer irgendwie darum, etwas aus dem Besitz der Kirchen zu nehmen, etwas zu „verweltlichen“. Wohin aber wird es gegeben, an den Staat, an den Kommerz? Was meint hier Besitz? Vor allem: Was am Humanismus ist wovon säkularisiert? Das Lemma „Säkularisierung“ im „Handbuch“ zeigt, dass der Humanismus dieses Begriffs zu seinem Selbstverständnis nicht benötigt.[33]

Stattdessen verleitet nahezu jede laizistische Mini-Regung an irgendeinem Rand in irgendeiner Partei, jede Kirchenschließung, jeder Austritt zu Euphorie, seit über hundert Jahren. Dabei wird nicht einmal begründet, warum dies für welchen Humanismus gut sein soll. Neue Mitglieder bringt das auch nicht die Masse. Wir sind in Etwa genau so viele wie wir 1914 waren. Das stimmt aber nur, wenn wir alles mitzählen, wer bei uns Kunde und auf diesem Weg Mitglied ist.

Das ganze Missverständnis, mit dem wir es hier zu tun haben, fängt schon bei der Bezeichnung „säkulares Spektrum“ an. Was ist für unsereins nicht säkular? Die Kirchen sind es doch auch. Göttliche Weihen sind kulturelle Zuschreibungen. Es werden Plätze für „Säkulare“ in diesen oder jenen Gremien gefordert, als ob Gewerkschaften, Parteien usw. nicht „säkular“ wären. „Säkulare“ (manchmal in der 1920er Form „weltliche“) Dienste sollen Trauerfeiern ausrichten, Krankenhäuser und Kindereinrichtungen betreiben usw. Ich kann in meinem Zwickau als Kunde nicht grundsätzliche Unterschiede in der Humanität zwischen „Diakonie“ und „Volkssolidarität“ erkennen.

Selbst wenn alles „säkular“ gemacht worden wäre, täte sich doch weiterhin das wirkliche Problem auf, die Frage nach den Inhalten. Dann wird freilich die Sache mit den Religionen und Weltanschauungen relevant, nämlich, woraus die praktische Humanität begründet wird und was daraus jeweils konkret folgt. Eine säkulare Kita ist doch nicht per se humanistisch.

Dazu fünf Anmerkungen:

  1. Ich stelle grundsätzlich die Frage, inwiefern der HVD tatsächlich eine Interessenvertretung von Konfessionsfreien genannt werden kann. Abgesehen davon, dass dann sicher nicht völkische Konfessionsfreie gemeint sind: Was ist eine Interessenvertretung? Der ADAC ist eine kommerzielle Vertretung meiner Interessen als Autofahrer. Er gewährt mir sogar Rechtsschutz. Wo macht dies der HVD?
  2. Der HVD bewegt sich auf der politischen und juristischen Ebene der Religionsgesellschaften und Weltanschauungsgemeinschaften. Eine Frage ist, inwiefern Religionsgesellschaften und Weltanschauungsgemeinschaften überhaupt und in welcher Form Interessenvertretungen sein können. Für den HVD liegt das konzeptionelle Problem einer Interessenvertretung der Konfessionsfreien viel tiefer, denn seine eigenen Mitglieder sind keineswegs konfessionsfrei. Der HVD ist eine Weltanschauungsgemeinschaft, also formal eine konfessionelle Organisation, die sogar in den Berliner Schulen einen Bekenntnisunterricht anbietet.
  3. Atheismus wiederum ist keine Weltanschauung, sondern eine philosophische Position gegen Theismen und ihre Theologien. Auf dieser Basis der Verneinung einer Überperson oder eines Über-Prinzips sind mehrere Weltanschauungen möglich mit diversen politischen und praktischen Folgerungen zwischen ultralinks bis bis ganz rechts. Es ergibt sich hier ein ähnliches Problem wie bei „säkular“, denn es gibt konservative, kommunistische, völkische und viele andre Atheismen. Und: Terrorismus (z.B.) kann zwar theistisch begründet, aber nicht atheistisch erklärt werden. Solche Sachen sind viel zu komplex.
  4. Es gibt eine fortwirkende, zu überwindende, aufzuklärende, intellektuelle Abstinenz und grundsätzliche Distanz derjenigen, die sich als Agnostiker verstehen oder als Atheisten organisieren, gegenüber dem Humanismus, dem organisierten besonders. Der erscheint ihnen zum einen als Sekte, zum andren als neue Kirche. Das hat der aktuelle Laizismus weitgehend übernommen.
  5. Verdikte gegen den organisierten Humanismus reichen in der Geschichte weit zurück und wurden immer wieder ergänzt und erneuert. Viele dieser Negativurteile gehen zurück auf Reformation und Gegenreformation, wo sich beide Kirchen von ihren humanistischen Mitstreitern und deren Ideen lösten. Solche moralischen Verurteilungen kann man, was den Atheismus betrifft, in direkter Kontinuität zu Fritz Mauthner sehen, dem wir die großartige vierbändige Geschichte des Atheismus im Abendland verdanken. Wir sollten es zum einen ins Positive übersetzen, und zum anderen geraderücken, wonach die Humanisten „einen sehr schlechten Ruf“ haben. Sie gelten „für eitel, eigensinnig, bestechlich, unordentlich, unzüchtig, ketzerisch“, „aller Schimpf und aller Klatsch wurde gegen sie verwertet“.[34]

Mit diesen fünf Thesen ist das Thema „Platz des HVD in der Gesellschaft“ aufgerufen. Zur Verortung des HVD in der Bundesrepublik teile ich die Einschätzung vom Bedeutungsverlust der Kirchen.[35] Aber: Damit, dass die Kirchen nicht mehr mehr „Verkünder einer allgemeinen Moral“ sein können, geht parallel einher der Bedeutungsverlust der „säkularen Szene“, so weit sie sich auf Religions- und Kirchenkritik beschränkt und keine praktischen Lebenshilfeangebote unterbreitet.

Auch ich beklage die „neoliberale Verlagerung von Gemeinschaftsaufgaben in private Hand“, sehe aber keine gesellschaftliche Kraft, die das aufhalten will oder kann. Gleiches gilt für den Stopp von Staatsleistungen an die Kirchen, eine dieser „privaten“ Einrichtungen. Wenn aber nun einmal privatisiert wird bzw. neue Angebote (etwa Hospize) „privat“ („subsidiär“) finanziert entstehen und sich in dieser Lage die Kirchen melden (Beispiel: Einrichtungen für Geflüchtete) parallel zu „säkularen“ Anbietern wie Paritäter, Arbeiter-Samariterbund, Volkssolidarität usw. Warum sollten sich dann nicht auch betont humanistische Dienstleister gründen und melden, anstatt aus der freidenkerischen Jammerecke gegen die Privilegien der Kirchen zu meckern.

Wenn es aber keine humanistischen Anbieter gibt, wovon soll Pluralität leben? Und es gibt auch keine Pluralität ohne muslimische Einrichtungen. Sie zu fordern, das ist aber deren Sache.

Ich trage hier Eulen nach Berlin, kenne aber den HVD zur Genüge um feststellen zu müssen, dass Berlin und Nürnberg nicht Dortmund oder Hannover sind, bei allen aktuellen Bemühungen, schon gar nicht Dresden, Weimar, Rostock usw. Der HVD muss mit diesen Versäumnissen und dieser Disparität leben, aber was machen die kleinen HVD-Verbände, wenn sie lediglich „säkulare Forderungen“ und Kirchenkritik zu bieten haben? Sie kultivieren dann andere Vorstellungen vom organisierten Humanismus. Sie träumen von Ethik in der Schule, lehnen Lebenskunde (als unerreichbare Forderung) ab und sind hier so auf einer Ebene mit den Freidenkern.[36]

Ganz anders liegt das Problem des Sozialverbandes HVD, der die Weltanschauungsgemeinschaft nicht unbedingt benötigt,[37] ohne diesen „Wasserkopf“ zu leben vermag, diesem, wie Gerhard Schröder sagen würde, „Gedöns“. Eine Variante dieser Haltung ist es, die humanitären Praxen des HVD für Humanismus schlechthin zu erklären (bewusst oder fahrlässig oder beiläufig oder wer sollte das bezweifeln?) und den Humanismus für einen Verband (durchaus auch absichtslos) zu vereinnahmen.

Ich habe „Pro Humanismus“ geschrieben, um auf Fehlstellen zu verweisen, auf eine Tendenz zum „Behauptungshumanismus“. Es gibt zwar nur einen Humanistischen Verband, aber viele humanistische Organisationen in einem noch weiteren Spektrum humanitärer Institutionen, denen man den Humanismus, schon gar nicht Humanität absprechen kann. Das verweist auf Fabers „Pan-Ökumene“.

Das halte ich für das Hauptproblem des beschlossenen Selbstverständnisses, dass hier wenig Bescheidenheit zum Ausdruck kommt. So etwas schreckt ab.

Es hat sich in Deutschland so entwickelt, ich komme noch einmal auf den „säkularen Humanismus“ zurück und damit fast zum Schluss, dass der aktuelle soziale Hauptträger eines organisierten Humanismus (sieht man vom bürgerrechtlichen der Humanistischen Union einmal ab), sich aus der Freireligiösen- und Freidenkerbewegung, die den Arbeiterparteien verbunden war, herausentwickelt und erst spät, nach 1990, zum Humanismus gefunden hat … aber eben vorwiegend zu einem bestimmten, dem „säkularen“ Humanismus.

Das ging gar nicht anders. Wer die damaligen Debatten nachliest, kann erkennen, dass die ehemaligen Freidenker erschraken ob der Konsequenzen, die eine Hinwendung zum Humanismus hat. Das erste „Humanistische Selbstverständnis“ von 1993 zeigt klar die eingelegte Handbremse.

Ich fasse das bisher Gesagte in zwei Anforderungen an ein „Humanistisches Selbstverständnis“ zusammen:

  1. Der HVD sollte gerade dort, wo er eine weite Praxis hat, noch konsequenter den „säkularen Humanismus“ überwinden. Ich beschreibe in „Pro Humanismus“ wie dieses Konzept, von den USA ausgehend, sich gegen einen organisierten Humanismus richtete, der als „Humanismus der Juden“ galt und als „religiös“ verschrien wurde, den es auch in Deutschland gab und dessen Praxis und praktische Ideen den HVD leiten, auch wenn er das nicht weiß. Lebenskunde, Sozialorientierung, „weltliche Seelsorge“ usw. kommen von den Humanistengemeinden, nicht von den Freidenkern.[38]
  2. Was eint und was trennt den Humanismus des HVD vom allgemeinen Humanismus in der Gesellschaft. Darüber ist u.a. nach dem Bremer Schulurteil gegen den HVD und nach dem Buch von Florian Baab umfassend diskutiert worden.

Zusammengefasst: Ich plädiere für eine langfristige, unaufgeregte, aber gründliche neue Humanismus-Debatte. In diesem Rahmen will ich zum Schluss etwas Relativierendes, aber in meinen Augen Aufmunterndes sagen, weil ich mich ja auch zu Forschungsfragen äußern soll.

Hier habe ich drei Punkte:

  1. Der HVD sollte sich seiner beschränkten Ressourcen bewusst sein und nicht der Großspurigkeit verfallen, sondern Kommunikation mit allen suchen, die über Humanismus nachdenken.[39] Am Anfang jeder Forschung steht ein Bericht darüber, was schon bekannt ist. Es wäre Aufgabe der Humanistischen Akademie, das Vorhandene zu erforschen und dem Verband zu „übersetzen“.
  2. Wenn es darum geht, den HVD als Weltanschauungsgemeinschaft zu stärken, dann ist sicher Debatten darüber, was eine Weltanschauung ist, nützlich, zumal wenn man zusammenfasst, was im Verband, in Gerichtsurteilen und seinen Texten schon ausgeführt wurde, worauf man aufbauen kann. Das Problem ist aber die Weltanschauung in den Projekten und die Frage, inwiefern die vom Grundgesetz geforderte „Pflege einer Weltanschauung“ letztlich „Humanismuspflege“ ist. Denn den HVD muss interessieren, was er zu seinen praktischen Arbeitsfeldern „Humanistisches“ zu sagen weiß, was außerhalb als seine Weltanschauung verstanden wird, von der Fest- und Feierkultur bis zur Sterbehilfe.
  3. Das Problem der Weltanschauung liegt im Detail. Als wir im HVD begannen, Konzepte zur Sterbehilfe zu entwickeln oder Lebenskunde anzubieten, war uns aus unserer freidenkerischen Geschichte völlig klar, worum es geht. Und hätten wir keine Praxis entwickelt, wäre uns nach wie vor alles klar. Es wurde und wird aber immer schwieriger, je mehr wir machen, je mehr wir in die Literatur eindringen, desto mehr Fragen tauchen auf.

Zusammengefasst zitiere ich Hubert Cancik: „Humanismus ... ist keine Philosophie, kein geschlossenes, nur mit sich selbst kompatibles System aus Anthropologie und Ethik, sondern [jetzt wird der Wiener Physiker Ernst Mach zitiert] die Lehre, ‘eine unvollendete Weltanschauung zu ertragen’.“[40]

Doch ganz am Ende, um mich völlig unbeliebt zu machen, zu einem Ärgernis. Humanismus bedeutet die Pflege auch der Sprache und der Schrift, hier der deutschen Sprache und der deutschen Schrift. Der HVD tut sich keinen Gefallen damit, gerade dort besonders sektiererisch als Duden-Verweigerer aufzutreten und dies als Vorreiterrolle zu interpretieren, wo er gelesen werden will, auch von Intellektuellen, in dem er seine Schriftsprache besonders geschlechterneutral und schwer lesbar gestaltet mit Sternchen und Unterstrichen. Diejenigen, die das politisch durchgesetzt haben, sollten dann auch so konsequent sein, sich in ihren privaten öffentlichen Texten daran zu halten.

 


[1] Die neue Fassung ist noch nicht publiziert, liegt dem Autor aber vor. Sie entspricht im Wesentlichen der öffentlich einsehbaren Fassung, vgl. https://humanistisch.de/sites/humanistisch.de/files/humanistischer-verba... (abgerufen am 19.11.2017).

[3] Vgl. Horst Groschopp: Pro Humanismus. Eine zeitgeschichtliche Kulturstudie. Mit einer Dokumentation. Aschaffenburg 2016, S. 284.

[4] Vgl. FN 1.

[5] Vgl. Hubert Cancik/Horst Groschopp/Frieder Otto Wolf: Humanismus: Grundbegriffe. Berlin/Boston 2016.

[6] Vgl. Groschopp: Pro Humanismus. – Thomas Heinrichs: Religion und Weltanschauung im Recht. Problemfälle am Ende der Kirchendominanz. Vorwort von Horst Groschopp. Aschaffenburg 2017. –Andreas Fin>

[7] In „Pro Humanismus“ finden sich genügend Aussagen über Säkularisierung, Weltanschauung, Bekenntnis, Freidenkertradition, Ethik, „Konfessionalität“, Demokratie, Pazifismus und Verbandspolitik. Der Band enthält zudem eine umfängliche Dokumentation.

[8] Vgl. Horst Groschopp: Konzeptionen des Humanismus. Alphabetische Sammlung zur Wortverwendung in deutschsprachigen Texten. Aschaffenburg: Alibri Verlag (erscheint 2018 als Band 4 in der Reihe Humanismusperspektiven).

[9] Vgl. Ralph Bergdolt: Naturwissenschaften und humanistisches Selbstverständnis. In: Thomas Maissen/Gerrit Walther (Hrsg.): Funktionen des Humanismus. Studien zum Nutzen des Neuen in der humanistischen Kultur. Göttingen 2006, S. 103-123.

[10] Vgl. Elisabeth Klecker: Extant adhuc in Pannonia monumenta Severi. Historia Augusta-Rezeption und humanistisches Selbstverständnis in Cuspinians Caesares. In: Johannes Helmrath/Albert Schirrmeister/Stefan Schlelein (Hrsg.): Medien und Sprachen humanistischer Geschichtsschreibung. Berlin 2008, S. 77-97.

[11] Vgl. Nils Teifke: Das Pinzip Menschenwürde. Tübingen 2011, S. 39 f.

[12] Vgl. Ingmar Ahl: Humanistische Politik zwischen Reform und Gegenreformation. Der Fürstenspiegel des Jakob Omphalius. Stuttgart 2004, S. 14, FN 485.

[13] Birgit Recki: Die Idee der Kultur. Über praktisches Selbstverständnis im Kontext. In: Wolfram Hogrebe (Hrsg.): Grenzen und Grenzüberschreitungen. XIX. Deutscher Kongress für Philosophie … 2002. Vorträge und Kolloquien. Berlin 2004, S. 564-572, hier S. 570.

[14] Einzelne Übereinstimmungen werden in ihren Folgerungen überfordert, vgl. etwa die „Humanistenquote“ https://fowid.de/meldung/humanistenquote-2007 (abgerufen am 19.11.2017).

[15] In den „Übersetzungen“ von humanitas als Menschenwürde (Menschenrechte), Bildung (Menschenbildung) und Barmherzigkeit. Man kann sagen, dass die drei Prinzipien sich gesellschaftshistorisch ausdifferenzieren in die Richtungen Kultur/Recht, Wissen/Wissenschaft und Moral/Ethik.

[16] Ganz abgesehen von Religionsvorstellungen, die die ihre Glaubensvorstellungen „gottlos“ sehen oder mit „Kultur“ übersetzen, etwa bei Kulturchristen, -juden, -muslimen oder einigen Buddhistengruppen.

[17] Vgl. Horst Groschopp: Dissidenten. Freidenker und Kultur in Deutschland. 2. verbesserte Auflage. Marburg 2011. – Ders.: Von den Dissidenten zu den Religionsfreien. Zur Konzeption einer Konfessionsfreienpolitik in Deutschland. In: Yvonne Boenke (Hrsg.): „Lieber einen Knick in der Biographie als einen im Rückgrat“. Festschrift zum 70. Geburtstag von Horst Herrmann. Münster 2010, S. 395-412.

[18] Das bezieht sich auf die Eingangsformulierungen der 2015er Fassung: „Ein Drittel der deutschen Bevölkerung ist nicht religiös. Etwa 31 Prozent sprechen sich für eine humanistische Interessenvertretung aus.“

[19] Vgl. Hubert Cancik: Die Rezeption der Antike. Kleine Geschichte des europäischen Humanismus. In: Jörn Rüsen/Henner Laas (Hrsg.): Interkultureller Humanismus. Menschlichkeit in der Vielfalt der Kulturen. Schwalbach/Ts. 2009, S. 24-52, hier S. 46 ff.

[20] Von Juli 1973 bis Ende 1991 hieß die in Ludwigshafen vom „Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands“, der seit 1859 existiert, herausgegebene Verbandszeitschrift „Der Humanist“ (ab 1992: „Wege ohne Dogma“). 1988 erfolgte die Umbenennung der „Freireligiösen Landesgemeinschaft Niedersachsen“ in „Freie Humanisten Niedersachsen“.

[21] Das bezieht sich auf Niedersachsen. Die Geschichte war meist eine regionale Sache wegen der „Kulturhoheit“ der Länder.

[22] Richard Faber: Gegen Personenkult, Reformationsmonopol und weltanschauliche Exklusivität. Aus Anlaß der „Lutherdekade“ für Humanismus und Aufklärung. In: Ders./Uwe Puschner (Hrsg.): Luther zeitgenössisch, historisch, kontrovers. Frankfurt a. M. 2017, S. 131-143, hier S. 143.

[23] Gerade in Bezug auf einen künftigen Lehrstuhl für „Humanistik“ ist darauf zu verweisen.

[24] Hubert Cancik/Horst Groschopp/Frieder Otto Wolf (Hrsg.): Humanismus: Grundbegriffe. Berlin/Boston 2016.

[25] Vgl. Cancik/Groschopp/Wolf: Humanismus: Grundbegriffe. Einleitung, S. 1.

[26] Vgl. Horst Groschopp: Humanismusunterricht/Lebenskunde. In: Cancik/Groschopp/Wolf: Humanismus: Grundbegriffe, S. 215-224.

[27] Vgl. Frieder Otto Wolf: Humanismus für das 21. Jahrhundert. Berlin 2008 mit Ders.: Radikale Philosophie. Aufklärung und Befreiung in der neuen Zeit. Münster 2002, und hierzu die Kritik in Florian Baab: Was ist Humanismus? Geschichte des Begriffes, Gegenkonzepte, säkulare Humanismen heute. Regensburg 2013, S. 167 f.

[28] Nach der Literatur wurde dieser Ausdruck zuerst als analytischer Begriff eingeführt von Gerhard Oestreich in Bezug auf den niederländischen humanistischen Rechtsphilosophen Justus Lipsius als Kategorie für politisches Ethos. Vgl. Gerhard Oestreich: Geist und Gestalt des frühmodernen Staates. Berlin 1969.

[29] Vgl. Enno Rudolph: Politik. In: Cancik/Groschopp/Wolf: Humanismus: Grundbegriffe, S. 307-312, hier S. 307: „ob er [der Humanismus, HG] gar von Grund auf als ein politisches Projekt zu verstehen ist“.

[30] Vgl. Karl Kautsky: Thomas More und seine Utopie (1888). Stuttgart 1907, S. 81.

[31] Vgl. Joachim Kahl: Ludwig Feuerbach und der organisierte Humanismus. Historische und systematische Überlegungen. In: humanismus aktuell. Berlin 2005. 9. Jahrgang. Heft 16, S. 53-59. – Horst Groschopp: Humanismus und „Dritte Konfession“. Soziologische Befunde und ihre Bedeututng für den organisierten Humanismus. In: humanismus aktuell. Berlin 2005. 9. Jahrgang. Heft 17, S. 40-55.

[32] Die folgenden Gedanken wurden von mir zuerst dargelegt in Horst Groschopp: Humanismus aktuell. Zur Debatte um das Verhältnis von Säkularismus, Humanismus und Atheismus. Fünf Thesen. In: MIZ. Politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistINNEN. Aschaffenburg 2016, 45. Jahrgang, Heft 4, S. 26-29. – Ders.: Welcher Humanismus? Sechs Thesen. In: Ebenda. Aschaffenburg 2017, 46. Jahrgang, Heft 2, S. 46-48.

[33] Vgl. Walter Jaeschke: Säkularisierung. In: Cancik/Groschopp/Wolf: Humanismus: Grundbegriffe, S. 359-365.

[34] Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendlande. Ludger Lütkehaus Hrsg.). 4 Bände. Aschaffenburg 2011, hier Band 1, S. 477.

[35] Vgl. Horst Groschopp: Verkünder einer allgemeinen Moral? Über den Bedeutungsverlust der Kirchen und seine gesellschaftlichen sowie rechtlichen Folgen. in: Indes. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft. Göttingen 2017, 6. Jahrgang, Heft 1, S.113-120.

[36] Es wird mir in Veranstaltungen innerhalb des HVD immer wieder vorgeworfen, Fortschritte in der Verbandsentwicklung zu unterschätzen und damit die Mühen der Funktionäre und Ehrenamtlichen zu missachten. Das mag so erscheinen. Wenn aber mit überdimensioniertem Anspruch, etwa im „Humanistischen Selbstverständnis“ (2. Abschnitt: „Füreinander da sein – Praktischer Humanismus“), Leistungen „(Träger vielfältiger Angebote“) als die des ganzen HVD suggeriert werden, die es faktisch nur in zwei Regionen gibt (Berlin und „Speckgürtel“, Nürnberg/Fürth), wird nicht nur ein falscher Eindruck erweckt, sondern realer Humanismus idealisiert.

[37] Abgesehen vom Weltanschauungsschulfach „Lebenskunde“.

[38] Vgl. Horst Groschopp: Die drei berühmten Foersters und die ethische Kultur. Humanismus in Berlin um 1900. In: Ders. (Hrsg.): Humanismus und Humanisierung. Aschaffenburg 2014, S. 157-173. – Vgl. Groschopp: Pro Humanismus, S. 74 ff.

[39] Auf ein Beispiel sei hier verwiesen, die jüngere Jenaer Literaturwissenschaft. Vgl. Matthias Löwe/Gregor Streim (Hrsg.): „Humanismus“ in der Krise. Debatten und Diskurse zwischen Weimarer Republik und geteiltem Deutschland. Berlin/Boston 2017.

[40] Cancik: Europa – Antike – Humanismus. In: Ders.: Europa – Antike – Humanismus, Humanistische Versuche und Vorarbeiten. Hildegard Cancik-Lindemaier (Hrsg.). Bielefeld 2011, S. 13-41, hier S. 38. – Zitat im Zitat: Ernst Mach: Die Mechanik in ihrer Entwicklung. Leipzig 1883, S. 479.